Assoziiertes Experiment AREMIR

Im Rahmen der Mission AUSTROMIR 91 wurde neben dem wissenschaftlichen Aspekt auch eine völkerverbindende Komponente, an der sich die Jugend in den Schulen aktiv beteiligen konnte, eingebunden. Ein Funkgerät wurde im Rahmen des Amateurfunkexperiments AREMIR sowie des Kunstexperiments ARTSAT verwendet und ermöglichte Amateurfunkverbindungen mit der Raumstation MIR im frequenzmodulierten Sprechfunk-, Packet-Radio- und CW-Betrieb.

Zielsetzung

Dem österreichischen Kosmonauten sollte in seiner Freizeit mit Hilfe der Apparatur AREMIR ein Funkkontakt im Amateurfunkband mit interessierten Schulen und Funkamateuren weltweit ermöglicht werden. Um diejenigen Überflüge, bei denen der Kosmonaut mit wissenschaftlichen Aufgaben beschäftigt war, ebenfalls auf der Erde verfolgen zu können, wurde eine automatisch arbeitende Funkbake im Gerät installiert. In Form einer Projektwoche in den Schulen wurden praxisorientierte Experimente und auf das Ereignis bezogene Schulstunden in den Unterricht vorbereitet.

Eine weitere Aufgabe des Projekts AREMIR ergab sich aus der Mitwirkung an dem Kunstprojekt ARTSAT.

Funktionsweise

Um die völkerverbindende Komponente des Amateurfunkes zu betonen, hatte der ÖVSV 100 speziell für den Empfang der Signale von der Raumstation MIR konstruierte Empfängerbausätze sowie zwei komplette Packet-Radio Stationen an sowjetische Funkamateure und Schulen übergeben. Für die Teilnahme von Schulen wurden von der HTL (Höhere Technische Lehranstalt) und BVA (Bundes Versuchs Anstalt) Wiener Neustadt, Abteilung für Elektronik, im Rahmen der praktischen Ausbildung in den Lehrwerkstätten 150 Stück dieser Empfängerbausätze zusammengestellt, die an interessierte Schulen in Österreich und der Sowjetunion weitergegeben werden.

Die Apparatur des Flugmodells AREMIR beinhaltete für den Amateurfunk drei signifikante Techniken: Da wir im Jahre 1991 den 200. Geburtstag vom Samuel Morse begingen, wurden Aussendungen in Morsecode als älteste und Packet-Radio (fehlerfreie digitale Datenübermittlung) als eine der modernsten Modulationsarten verwendet; außerdem bestand die Möglichkeit des normalen Sprechfunkverkehrs.

Ergebnisse

Franz Viehböck, assistiert von Aubakirov und Krikaljov, nimmt Verbindung mittels AREMIR auf. Foto: BMBWK, Wien Die Apparatur AREMIR wurde am 6. Oktober 1991 zum ersten Mal an Bord der Raumstation in Betrieb genommen. Der Kosmonaut antwortete damit auf die symbolische Geste eines Grazer Künstlers, der ihm elektronisch "die Hand reichte". Die Funksignale, die er zur Erde sendete, gaben den Startimpuls für das Kunstprojekt ARTSAT.

Erstmalig war die Nachricht der Packet-Radio-Bake zu hören:

AUSTROSOVJET RADIO TIME SPACE ART TELECREATION WELTRAUM KULTURRAUM RCCW TU GRAZ 1991 AREMIR.

Auch bei den darauffolgenden Erdumkreisungen waren die Signale stark und sauber zu empfangen. Sie konnten von den Bodenstationen problemlos dekodiert werden.

Am folgenden Tag waren die Funksignale aus dem Weltraum während fünf Erdumkreisungen jeweils sechs Minuten lang im Informationszentrum an der Technischen Universität Graz zu hören und im Klartext auf Bildschirm zu sehen. Im weiteren Verlauf der AUSTROMIR-Mission kamen alle Betriebsarten bei Funkverbindungen zum Einsatz, wie die zahlreichen Empfangsbestätigungen von Funkamateuren aus dem In- und Ausland sowie von österreichischen und russischen Schulen bestätigten. Abgesehen von anfänglichen Schwierigkeiten bei der Signalübertragung im CW-Mode funktionierten sowohl die Apparatur AREMIR als auch die auf der Erde eingesetzten Empfänger tadellos.

Für den Transport und die Aufbewahrung der Apparatur AREMIR in der Raumstation hatten Schülerinnen der Mödlinger Modeschule aus weltraumtauglichen Textilien eine Tasche (den "Weltraumanzug" des AREMIR) angefertigt.

Technische Daten

Das Projekt AREMIR bestand aus folgenden Einheiten

Blockschaltbild des Projekts AREMIR. Grafik: BMBWK, Wien Blockschaltbild der Empfangsanlage des Projekts AREMIR. Grafik: BMBWK, Wien

Amateurfunkausrüstung für die Raumstation

Die Apparatur in der Raumstation bestand aus einem automatischer Morsetextgeber, einem Terminal Node Controller (TNC) und einem Transceiver. Die beiden Flugversionen des Geräts wurden nach den strengen Auflagen der sowjetischen Raumfahrttechnik konzipiert und für den Einsatz in der Raumstation konstruiert. Ein handelsüblicher Transceiver mußte für diesen Einsatz entsprechend modifiziert werden. Da die Apparatur nach Beendigung der wissenschaftlichen Experimente auf der Raumstation verblieb und zur weiteren Benützung durch Amateurfunker-Kosmonauten freigegeben wurde, war sie mit einer speziellen Schnittstelle für die Verbindung mit dem Zentralrechner DATAMIR ausgestattet worden.

Beim Schulempfänger der Bodenausrüstung wurden integrierte Schaltkreise eingesetzt. Wenige periphere Teile, Keramikfilter, und Quarz erleichterten Aufbau und Abgleich, sodaß auch bei weniger geübten "Amateuren" ein erfolgreicher Zusammenbau sichergestellt werden konnte. Eine von der sowjetischen Seite gewünschte Möglichkeit der Einstellung auf eine Fixfrequenz wurde ebenso berücksichtigt wie der Einbau in ein aus Printplattenteilen gefertigtes Gehäuse und eine in russischer Sprache beschriftete Frontplatte.

Von den Amateurfunkern des RCCW wurden für den Empfang der Funksignale eine stationäre und eine mobile Empfangsanlage gebaut. Jede Anlage bestand aus einer automatisch nachführbaren Antenne, einem Transceiver, einem Packet-Radio-Konverter und einem Morse-Decoder. Die Empfangsanlage wurde von zwei Computern unterstützt.
  • Gerät AREMIR
  • Funkgerät ALINKO DJ 120 E modifiziert
  • Kabel ARE1 (Spannungsversorgung)
  • Antennenadapter (2 Stück)
  • Reservesicherungen (3 Stück)
  • Transport-Stoffhülle
Masse: 2,0 kg
Abmessungen: 200 mm x 250 mm x 62 mm
Leistungsaufnahme: 27 W

Experimentatoren

Gustav Paier
Österreichischer Versuchssenderverband, Sollenau

Technik:
o. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. DDr. Willibald Riedler (Institutsvorstand)
Dipl.-Ing. Nicolas Valavanoglou (Projektverantwortlicher)
Peter Nesswald
Ulrich Brändle
Andreas Merdonik
Siegfried Stöllner
alle: Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung, Technische Universität Graz